Aktuelle Infos    Grundlegende Infos    Projektstruktur    Landesweiter Runder Tisch    Fachgruppen     
Regionale Runde Tische     Hilfsangebote      Downloads      Impressum  

Grundlegende Infos


RIGG - Rheinland-pfälzisches Interventionsprojekt gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen


"Gewalt gegen Frauen ist die vielleicht schändlichste aller Menschenrechtsverletzungen. Sie kennt keine Grenzen, weder geographisch noch kulturell, noch im Hinblick auf materiellen Wohlstand. So lange sie anhält, können wir nicht behaupten, dass wir wirklich Fortschritte in Richtung Gleichstellung der Geschlechter, Entwicklung und Frieden machen."
Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, New York, Juni 2000

In den eigenen vier Wänden, im vermeintlichen Schutzraum von Ehe, Familie und Partnerschaft ist leider auch die Gewalt zu Hause. Im "geschützten" Rahmen der Familie und anderen engen sozialen Beziehungen kommt es am häufigsten zu körperlicher Gewalt, Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Ehe und Partnerschaft sind nicht nur Orte der Liebe, der Nähe, des Vertrauens und der Harmonie, sondern auch Orte der Konflikte, des Streits, des Hasses und der Gewalt. Dabei geht die Gewalt zum allergrößten Teil von Männern aus. Männer versuchen damit, Kontrolle über die Frau auszuüben und die "Macht des Stärkeren" mit allen Mitteln durchzusetzen. Betroffen sind Frauen jeden Alters, sozialer Schicht, Bildungsstand, Einkommen, Nationalität und ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit. Gewalt in engen sozialen Beziehungen wurde lange Zeit als Privatsache betrachtet. Aber sie ist es nicht. Diese Gewalt geht alle an. Gewalttaten in engen sozialen Beziehungen sind keine Familienstreitigkeiten oder Beziehungskonflikte sondern ein schwerwiegendes kriminelles Unrecht, für das der Gewalttäter zur Verantwortung gezogen werden muss.

Das Ausmaß der Gewalt


  • Ca. 45.000 Frauen und ihre Kinder flüchten jährlich in die mehr als 400 Frauenhäuser und Frauenschutzwohnungen in der Bundesrepublik. In Rheinland-Pfalz haben im Jahr 2002 1059 Frauen und 1066 Kinder Zuflucht gefunden. Die Frauen in den Frauenhäusern sind jedoch nur ein kleiner Teil derjenigen, die Gewalt erfahren haben. Teilweise ziehen Frauen andere Ausweich- und Fluchtmöglichkeiten vor, oder sie bleiben aus Angst, Resignation oder in der Hoffnung auf eine Veränderung des Mannes in der gemeinsamen Wohnung.
  • Schätzungen zufolge kommt es in jeder dritten Partnerschaft zu Gewalt. Frauen sind demnach von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte. Das Dunkelfeld ist sehr groß und genaue Zahlen liegen nicht vor. Deshalb lässt die Bundesregierung zur Zeit eine erste repräsentative Umfrage zum Thema Gewalt an Frauen durchführen.
  • Jede 7. Frau im Alter zwischen 20 und 59 Jahren wird einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung. Dabei finden zwei Drittel der sexuellen Gewaltdelikte im sozialen Nahbereich von Familie und Haushalt statt. Bei drei Viertel der Täter handelt es sich um die Partner der betroffenen Frauen. Bei den Taten steht nicht das Sexuelle für die Täter im Vordergrund, sondern die Demütigung der Frau und die Demonstration von Macht.
  • 2/3 der weiblichen Tötungsopfer werden von einem Mann aus ihrem näheren Lebensumfeld getötet. Am häufigsten wurden sie Opfer ihres Ehemanns, gefolgt vom Lebensgefährten, Freund oder Sexualpartner.
  • Bei den Körperverletzungsdelikten besteht in über 55% der Fälle eine enge soziale Beziehung zwischen Täter und weiblichem Opfer.

  • Formen der Gewalt

    Körperliche Gewalt
    Stoßen, treten, schlagen, boxen, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen, mit den Fäusten prügeln, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, mit Zigaretten verbrennen, Attacken mit Waffen usw. bis hin zum Mordversuch oder Mord.
    Sexualisierte Gewalt
    Als sexualisierte Gewalt sind alle sexuellen Handlungen anzusehen, die dem Opfer aufgedrängt oder aufgezwungen werden. Zu sexualisierter Gewalt zählen Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung und alle Formen sexueller Bedrohung, Übergriffe oder Ausbeutung, die einen Eingriff in die Würde und Freiheit des Opfers darstellen.
    Psychische und emotionale Gewalt
    Ständige abwertende Kommentare, dass die Frau wertlos, hässlich und nutzlos sei; anschreien; Eifersucht; Weigerung mit ihr zu sprechen; den Kontakt mit Freundinnen und der Familie unterbinden; die Frau vor anderen und den Kindern demütigen, wertvolle persönliche Dinge zerstören.
    Belästigung und Terror (Stalking)
    Ständige Anrufe, Anrufe mitten in der Nacht; Drohbriefe; Bespitzelung und Verfolgung am Arbeitsplatz und zu Hause. Diese Form der Gewalt wird besonders oft von Ex-Partnern ausgeübt, die die Trennung nicht akzeptieren wollen.
    Ökonomische Gewalt
    Geld verweigern oder abnehmen; Kontozugang verweigern

    Die verschiedenen Gewaltformen werden vom gewalttätigen Mann meistens nicht isoliert voneinander ausgeübt, sondern miteinander kombiniert.

    Neue Wege bei der Bekämpfung von Gewalt in engen sozialen Beziehungen

    Im August 1999 hat der rheinland-pfälzische Landtag einstimmig beschlossen, zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen RIGG - das rheinland-pfälzische Interventionsprojekt gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen, einzurichten.
    Im Landtagsbeschluss heißt es: "Zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen auch in engen sozialen Beziehungen ist ein in sich geschlossenes, umfassendes und langfristiges Konzept notwendig (...). Die Bekämpfung auch der Beziehungsgewalt muss deutlich als öffentliche Aufgabe herausgestellt werden. Teil dieses Konzeptes muss es sein, diese Gewalt aus der Privatsphäre herauszulösen, gegen eine Tabuisierung dieser Thematik zu wirken, Prävention und Bekämpfung als gesellschaftspolitische Aufgabe anzuerkennen und damit Tätern und Opfern ein nicht zu überhörendes Signal zu geben."
    Damit hat die Landesregierung ein deutlich gemacht, dass Beziehungsgewalt nicht länger als privates Problem angesehen wird, sondern als ein gesellschaftliches Problem, das nur durch das gemeinsame Handeln aller gesellschaftlichen Kräfte angegangen werden kann. Staatliche und nichtstaatliche Institutionen, die sich mit Gewalt gegen Frauen befassen, arbeiten zusammen und tragen durch ein abgestimmtes und vernetztes Vorgehen dazu bei, dass Schutz und Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder verbessert werden und die Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden.

    Die Ziele von RIGG

    Opfer von Gewalt haben einen Anspruch auf Gerechtigkeit und Hilfe. Frauen und ihren Kindern muss Sicherheit und Schutz vor Gewalt in engen sozialen Beziehungen gewährt und ein Leben ohne Gewalt ermöglicht werden. Dies kann nur erreicht werden, wenn alle beteiligten Institutionen und Einrichtungen in Fällen von Gewalt gegen Frauen in engen sozialen Beziehungen kooperativ und optimal zusammenarbeiten. Die Ziele des Interventinsprojektes sind:

  • Die gesellschaftliche Ächtung der Gewalttaten
  • Die Sanktionierung der Täter durch polizeiliche Interventionen strafrechtliche Maßnahmen und die Ausschöpfung zivilrechtlicher Möglichkeiten
  • Die Optimierung der Hilfeverfahren und Hilfsangebote für Frauen und ihre Kinder und deren Vernetzung
  • Den Ausbau der Rechte misshandelter Frauen durch die Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten und umfangreiche Information- und Beratungsangebote
  • Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und die Sensibilisierung und Aufklärung über männliche Gewalt gegen Frauen
  • Die Entwicklung und Umsetzung präventiver Maßnahmen.

  • Zum Seitenanfang